Zwei Canyon Ultimate: ein SLX für trockene Tage und ein SL mit Schutzblechen für Nässe, Winter und Salz. Die Aufteilung hat einen praktischen Grund — Streusalz bleibt dem Schönwetter-Velo erspart.

fahrfertig
Ultimate CF SLX 8 Di27,80 kg
Ultimate CF SL 7 Di28,50 kg
… mit Schutzblechen8,80 kg
Kleidung kurz/kurz inkl. Helm, Schuhe, Minimalrucksack2,05 kg
Canyon Ultimate CF SLX 8 Di2, schwarz, ohne Schutzbleche

Das SLX — Schönwetter-Velo, 7,80 kg fahrfertig. Kein Salz, keine Schutzbleche.

Canyon Ultimate CF SL 7 Di2, grau-schwarz, mit Schutzblechen

Das SL mit Schutzblechen — 8,80 kg. Nässe, Winter, Salz. Die Bleche wiegen 300 Gramm und machen das Velo ganzjahresfähig.

Keine Bidons, keine Halter — wegen Aero und Gewicht natürlich. 😉 Auf einer Stunde Fahrweg braucht es sie schlicht nicht.

Zwei Powermeter, 24 Watt Unterschied

Das ist der Befund, der am meisten überrascht hat. Dieselben Beine, dieselbe Strecke, zwei Velos — und die Anzeigen liegen systematisch auseinander.

Nachrechnen geht über die Physik. Für einen Anstieg gilt:

P = (m·g·Δh/t  +  Crr·m·g·v  +  ½·ρ·CdA·v³) / Antriebswirkungsgrad

Alles darin ist bekannt oder messbar: Systemmasse aus Tagesgewicht plus Velo plus Kleidung, Höhendifferenz und Distanz aus dem Segment, die Zeit aus der Fahrt. Vergleicht man das Ergebnis mit der Anzeige, bleibt der Gerätefehler übrig.

Offset (Anzeige − Physik)Fahrten
SL+3,7 W79
SLX−20,4 W20

Das SL ist also praktisch geeicht, das SLX liest gut 20 Watt zu tief. Wer die zwei Anzeigen vergleicht, vergleicht Geräte, nicht Form.

Eine Probe aufs Exempel, zwei Fahrten im Abstand einer Woche:

FahrtZeitAnzeigephysikalischPuls
20.08.2026 (SL)10:54333 W323 W164,4
27.08.2026 (SLX)10:33314 W335 W164,2

Die zweite Fahrt war 21 Sekunden schneller mit 13 Watt mehr echter Leistung — bei identischem Puls, 0,9 kg mehr Körpergewicht und 3 °C mehr Hitze. Die Anzeige sagte das Gegenteil.

Temperaturdrift

Der SL-Messer hat zusätzlich eine Temperaturabhängigkeit: rund −0,8 W/°C. Bei etwa 24–25 °C liest er korrekt, in der Kälte zu hoch (+11 W bei 10 °C), in der Hitze zu tief. Ein zweiter Rechenweg über die flache Strecke ergab −1,05 W/°C — gleiche Grössenordnung, unabhängig ermittelt.

Praktische Folge: vor Kälte- oder Hitzeextremen den Nullpunkt kalibrieren.

Gewicht am Berg

Am Albis (7,8 % Steigung, ~15 km/h) gilt als Faustregel: 1 kg kostet 3,3 Watt.

Wichtiger als das Velogewicht ist dabei das eigene. Über alle Fahrten schwankt die Systemmasse um 4 kg — und der Löwenanteil davon ist Körpergewicht, nicht Material. Der Unterschied zwischen den beiden Velos (0,7 kg) verschwindet in der Tagesschwankung. Jede Bergrechnung muss deshalb das Tagesgewicht verwenden, nie einen Durchschnitt; sonst fällt der berechnete Geräteoffset um mehrere Watt falsch aus.

Verschleiss

Alle Wechsel erfolgten erst, als das Gewebe sichtbar war — nie vorsorglich. Die Zahlen sind also echte Standzeiten, keine Wartungsintervalle.

Reifen hinten (Schwalbe One TLE)

bei kmStandzeit
3'0003'000 km (Erstbereifung)
8'0005'000 km
12'0504'050 km

Reifen vorne

Die Erstbereifung hielt 14'450 km — ebenfalls bis aufs Gewebe. Das Verhältnis vorne zu hinten liegt bei 3,6 : 1, weil hinten Antrieb und rund 60 % des Gewichts wirken. Praktische Folge: Ersatz lohnt sich nur hinten vorzuhalten.

Kette

bei kmStandzeit
2'3602'360 km
4'860~2'500 km
8'0003'140 km
14'4506'450 km

Der Sprung auf 6'450 km fällt mit dem Umstieg aufs Wachsen zusammen. Ein einzelner Datenpunkt, aber ein auffälliger — Wachs bindet weniger Schmutz als Öl, und Schmutz ist der Schleifstein im Antrieb.

Was sich nicht belegen liess

Die Vermutung, Reifen hielten über den Winter länger, liess sich nicht bestätigen — der länger haltende Reifen lief sogar im wärmeren Schnitt. Und sie ist mit diesen Daten auch nicht prüfbar: Bei rund 4'000 km Standzeit dauert ein Reifenleben etwa zwei Jahre und mittelt immer über alle Jahreszeiten.


Alle Angaben stammen aus eigenen Fahrten, Messwerten oder veröffentlichten Studien — Belege sind verlinkt. Was sich nicht belegen liess, steht als solches gekennzeichnet da. Quellenregel